Startseite | Aktuelles | Melanchthonschule wird 50
PDF E-Mail

Melanchthonschule wird 50

Gemeinsam ganz stark

Von Thea Bachem, 07.10.10, 17:37h, aktualisiert 07.10.10, 17:40h // Quelle: KSTA-online

Kinder basteln, tippen Interviews ab und dichten Rap-Texte über den Reformator, der seit 450 Jahren tot ist.

Brühl - Sie basteln Filzbälle und mittelalterliches Spielzeug, malen Bilder, üben Tänze. Dazwischen wuseln Lehrerinnen mit leicht erhöhtem Puls - bis Freitag muss jeder Blumenkübel bepflanzt, jedes Bild aufgehängt, jeder Text kopiert sein. Die Melanchthonschule wird 50, „und das ist ganz schön stressig“, sagt Schulleiterin Karin Hansch, während sie durch die Gänge ihrer Schule eilt und jeder Klasse einen kurzen Besuch abstattet. „Mit der Betonung auf schön, ich mag solche Feste gern.“


50 Jahre bedeuten ein paar Atemzüge in der Geschichte - und gewaltige Veränderungen in Pädagogik und Gesellschaft. Alleinerziehende und Patchworkfamilien prägen heute das Bild, fällt Hansch ein. „In meiner Kindergartenzeit ist noch geschlagen worden“, erinnert sich Sekretärin Brigitte Nieuweenhuysen, Jahrgang 1952. „Auch die Zusammenarbeit mit den Eltern gab es damals so noch nicht.“

Was sich in 50 Jahren an der Melanchthonschule selbst geändert hat, haben die Viertklässler für ihre Jubiläumszeitung erfragt - darin stellen sie nicht nur die Themen der Projektwoche vor, sondern interviewen auch ehemalige Schüler.

„Obercoole Modenschau“

„Wir hatten in der ersten Klasse eine obercoole Modenschau“, erinnert sich da Elvira Latour, 1978 bis 1982 Grundschülerin. Was anders war? „Es gab keine Hausschuhe und keinen offenen Ganztag, unsere Schulsachen und Turnbeutel haben wir mit nach Hause genommen.“ Heute bleibt alles in der Klasse.

Im Keller basteln Viertklässler an der Festdekoration. Mit dabei: der neunjährige Philipp und seine Mutter Sandra (33), die auch die Grundschule besucht hat: „Die Spielplätze sind viel schöner geworden. Die Lehrer sind lockerer und jünger“, sagt Sandra Fischer. „An unserer Schule fehlt nichts“, sagt Philipp. „Nur einige Kinder könnten sich besser an die Regeln halten.“ Oha.

Der Glaube ist längst egal. Muslime, katholisch und evangelisch getaufte Kinder haben dem Namenspatron Philipp Melanchthon zum 50-jährigen Bestehen der Schule ein Rap-Lied gewidmet. Im Juni 1967 wurde die evangelische Schule in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt - ganz im Sinne Melanchthons, der sich für die Bildung aller einsetzte. Längst besuchen mehr katholische als evangelische Kinder Melanchthonschule.

Melanchthon, wer war das eigentlich noch mal? „Ein Freund von Martin Luther“, sagt Marielena aus der 4 a. „Ein Professor“, weiß Luise. „Der hat doch unsere Schule gegründet“, fällt Veronika ein. „Nicht ganz, aber er hat ihr den Namen gegeben“, korrigiert Lehrerin Heike Schmalholz.

Korrekturen gab es auch in den sechs Amtsjahren von Karin Hansch einige. Als sie im Sommer 2004 als kommissarische Schulleiterin begann, seien alle an der Schule tätigen Gremien zerstritten gewesen. Als ihren Auftrag habe sie begriffen, das Schulmotto „Gemeinsam Ganz Stark“ mit Leben zu füllen. Kinder gestalteten ein Schullogo, auf dem zwei Kinder auf einer Weltkugel zu sehen sind, es wurden Vereinbarungen entwickelt, was die Lehrerinnen von den Eltern erwarten und umgekehrt. Als Meilenstein bezeichnet Hansch auch die Einzäunung des Schulgeländes: „Seitdem hat es weder Vandalismusschäden noch Gefährdungen der Kinder gegeben.“ Heute, sagt Hansch, „sind wir tatsächlich gemeinsam ganz stark.“

Die Ursprünge der Schule gehen übrigens auf das Jahr 1956 zurück. Im Frühjahr 1956 eröffnete in der alten Vochemer Schule eine evangelische Bekenntnisschule mit drei Klassenräumen. Da die Schülerzahl stetig wuchs, entschloss man sich zu einem Neubau in Kierberg. Am 23. Oktober zogen die Klassen in die neue Schule ein, die seitdem Melanchthon-Schule heißt. Im Frühjahr 1961 besuchten über 300 Kinder die Schule - fast doppelt so viele wie heute.

 
© 2008 Melanchthon-Schule Brühl-Kierberg | Joomla Template by vonfio.de